Führt das Entsorgen der Waage zu einem besseren Selbstbild?

Eben habe ich bei Catherine von Allures-und-Couture diesesn inspirierenden Artikel gelesen. Maike von kleinderdrei hat sich entschlossen, eine kaputte Waage nicht zu ersetzen und dies unter #waagnis auf Twitter kundgetan. Die Twittergemeinde diskutierte dies sogleich heftig. Viele fanden diesen Schritt sogar mutig. Nun fragt man sich ja unwillkürlich, wozu es denn MUT braucht, ein defektes Haushaltsgerät nicht zu ersetzen. Ein leeres Konto würde da ja schon reichen. Natürlich ist klar, dass damit gemeint ist, dass es mutig sei, sich ab sofort nicht mehr zu wiegen. Meiner Meinung nach geht es aber nun nicht um den reinen Wiegevorgang an sich, sondern es wird Kritik geübt an einer Gesellschaft, die ständig verlangt, dass man (oder frau) an sich arbeitet. Das perfekte Gewicht, die perfekte Figut, der perfekte Job und mindestens zwei Fremdsprachen nach Feierabend lernen. Diesen Idealen hetzen wir Frauen hinterher. Stichwort Selbstoptimierung. Alles ist möglich, alles scheint erreichbar. Was, Du bist unzufrieden? Selbst schuld, es liegt an Dir, änderes es! Wer nicht an sich arbeitet, der hat schon verloren. Auch ich schwimme weit oben auf dieser Welle mit. Alles soll super perfekt sein, am besten noch selbstgemacht. Die Ziele werden hoch und höher gesteckt. Das Scheitern ist vorprogrammiert und die Frustrationsrate hoch. Trotzdem geht es weiter und weiter. Ist ein Ziel erreicht, wird schnell ein neues gesteckt, ist es nicht erreicht, wird auch ein neues gesteckt. Immer nach vorn schauen, nie zurück. Immer bereit, das Negative zu suchen und zu finden, es ans Licht zu zerren und sich schlecht zu fühlen. Ok, ich habe häufig das Gefühl mich falsch entschieden zu haben mit meiner Jobwahl. Trotz Abitur. Eigentlich abwechslungreich und spannend, trotzdem ist und bleibt es ein typischer Frauenjob. Ungünstige Arbeitszeiten, ein Gehalt genug zu überleben, aber nie genug um sich etwas aufzubauen. Irgendwie hangelt man sich von Monat zu Monat. Aber letztendlich ist es doch so, dass ich mich freuen darf, überhaupt einen Job zu haben. Außerdem bin ich noch nie arbeitslos gewesen, habe eine schöne Wohnung. Gut, ich wohne zur Miete und das Auto ist nicht abbezahlt, aber ich bin in der Lage die Kosten zu bestreiten. Mir geht es gesundheitlich gut, ich lebe in einer tollen Beziehung und habe liebe Freunde und Familie. Aus dem Traum eigenes Pferd, ist eine Reitbeteiligung geworden, aber immerhin musste ich das Hobby nicht aufgeben und habe noch dazu Menschen, die mir genug vertrauen, dass ich deren Eigentum gut und liebevoll behandele. Alles in allem eine Reihe guter Gründe, weshalb ich aufhören sollte zu zweifeln und mich endlich einmal gut fühlen sollte. Weshalb ist es nicht möglich, auf das erreichte stolz zu sein? Warum laufen wir irgendwelchen Idealen hinterher? Hetzen ratslos durch unser Leben, immer bemüht uns selbst und unser Umfeld zu optimieren? Und verlieren dabei den Blick für die schönen Kleinigkeiten.

 

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3 Gedanken zu “Führt das Entsorgen der Waage zu einem besseren Selbstbild?

  1. thrillerbraut schreibt:

    Ein super Beitrag.
    Ich habe zwar noch eine Waage, aber ich benutze sie schon lange nicht mehr. Das frustriert mich. Für mich ist es viel entscheidender, ob mir meine Klamotten noch passen, daran sehe ich, ob mein „Gewicht“ okay ist oder ich was ändern sollte.

    Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass wir ständig nach mehr streben und glauben, dass das Gras auf der anderen Seite des Zaunes sehr viel schöner ist 😉

    • Katja schreibt:

      Danke schön. 🙂 Meine Waage wird auch nicht sehr viel benutzt, außer ich bin gerade am abspecken. Denn auch wenn ich diesem Gewichtswahn nicht folgen möchte, stellt sich ja nun die trotzdem Frage, was passiert, wenn man auch aus der letzten passenden Hose raus gewachsen ist. Neu kaufen oder abnehmen? Da entscheide ich mich meist fürs Abnehmen. Ja, wahrscheinlich hast Du recht, woanders schmeckt’s halt besser. 😉

      • thrillerbraut schreibt:

        Geht mir genauso, obwohl ich sagen muss, dass ich mittlerweile gut gewappnet bin und zwei Kleidergrößen Klamotten im Schrank habe. aber es nervt mich, wenn mir meine Lieblingshose nicht mehr passt. Dann muss man eben abnehmen. Ich fühle mich dann auch irgendwie wohler. Ganz egal, was andere dazu sagen. Man selbst muss mit sich klar kommen finde ich.
        Und das betrifft ja dann auch wieder deinen Eintrag 😉

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